SIND INTERAKTIVE EXPONATE PASSÉ? WAS KOMMT NUN?

Rubrik: Maker Spaces

Seit vierzig Jahren werden interaktive Exponate in Science Zentren ständig weiter entwickelt – verrückte Ideen getestet, neue Ansätze umgesetzt, erfolgreiche Exponate immer wieder angepasst und verbessert. Der Trend ging vom physikalischen Phänomen per Knopfdruck zur offenen Experimentieranlage … Das hat zu wohl durchdachten, tatsächlich funktionierenden und befriedigenden Exponaten geführt, wie man sie beispielsweise im Exploratorium San Francisco findet.

Spinning Patterns, Exploratorium

Wird das so weiter gehen oder sind wir am Ende dieser Entwicklung angelangt? Was ist die Zukunft von Ausstellungen? Welche neuen Entwicklungen zeichnen sich ab?

SCIENCE ZENTREN UND DIE MAKER-BEWEGUNG

Am Interessantesten finde ich gegenwärtig den Einfluss der Maker-Bewegung auf Science Zentren. Wikipedia beschreibt die Macherkultur als eine technologiebasierte Erweiterung der do-it-yourself Kultur. Tüftler und Hackerinnen experimentieren mit Elektronik, Robotik, computergesteuertem Werkzeug, 3D-Druckern und kombinieren technologische Komponenten mit allem, was man sich aus der traditionellen Haushalts- und Bastelkultur vorstellen kann: Stricken, Kochen, Holz- und Metallarbeiten, Gärtnerei …

Für Science Zentren ist das eine spannende Angelegenheit, denn schon immer stand  Kreativität, Innovation und die die Förderung eines forschenden Geistes im Zentrum ihrer Anliegen. Kein Wunder springt hier der Funke über.

Immer mehr Science Zentren eröffnen ein eigenes Tüftellabor. Zwei Beispiele sind das Tinkering Studio im Exploratorium und das Ingenuity Lab in der Lawrence Hall of Science in Berkeley.

Andere Institutionen arbeiten direkt mit den Maker Communities zusammen. Die New York Hall of Science beispielsweise ist Gastgeberin des berühmten World Maker Faire, wo sich Leute aus der ganzen Welt treffen, um zusammen an den verrücktesten Dingen herum zu tüfteln, zu bauen und zu hacken.

Ein Maker Faire sprengt den Rahmen einer Ausstellung, ist Messe, Markt, Werkstatt, Do-it-yourself-Chilbi und Zirkus zugleich.

Mini Maker Faire in Brighton, 8. Sept. 2012

Russell the Electric Giraffe, beliebter Gast an Maker Faires

SACHEN MACHEN IN DER AUSSTELLUNG

Für Kinder ist basteln und tüfteln schon lange Teil des Museumserlebnisses in Häusern mit einer guten Museumspädagogik. Während solche Aktivitäten bisher eher unter ‘Begleitprogramm’ liefen, rücken sie nun ins Zentrum der Ausstellung. Ein Beispiel ist die Wanderausstellung Imaginate des Ontario Science Centres. Auf den ersten Blick ist es eine klassische interaktive Ausstellung mit Stationen, an denen man mit physikalischen Eigenschaften von Materialien, Körpern und Tönen experimentieren kann – sehr gut gemacht, intuitiv, interaktiv, kollaborativ.

Nähert man sich dem Zentrum der Ausstellung, kommt man in eine Art Bastelwerkstatt. Hier kann man mit ungewohnten Materialien neue Arten von Hüten oder Schuhen kreieren.

Ausstellung Imaginate: Innovationswerkstatt

Dieser Teil ist im selben Stil gehalten wie die gesamte Ausstellung. Er sieht nicht aus wie eine Werkstatt oder ein Basteltisch, hat vielleicht etwas von einem Spielzimmer, ist gleichzeitig Labor und gehört für mich eindeutig zur Kategorie Ausstellung. Aber die Ausstellung ist hier Labor, die interaktiven Exponate darum herum dienen dazu, die Besucherinnen und Besucher zum innovativen Tätigsein zu befähigen.

Ausstellung Imaginate: Besucherkreationen auf dem Podest

Der Ruf nach Innovation und einer Gesellschaft von Erfinderinnen und Erfindern ist besonders deutlich in wirtschaftlichen Krisenzeiten. Innovation wird in diesem Zusammenhang mit Wettbewerbsfähigkeit verbunden.

Gleichzeitig müssen Science Zentren in Krisenzeiten mit noch weniger Mitteln noch kreativer umgehen und damit noch mehr gesellschaftliche Wirkung erzielen. Die Macher/innenbewegung kann dazu beitragen, dass Menschen, die mit Hightech-Komponenten spielerisch umgehen können, sich in unserer hochtechnologisierten Welt besser zurecht finden und sie aktiv mitgestalten.

In der Schweiz stösst man gelegentlich in einem Gemeinschaftszentrum auf ein offene Werkstatt. Oder es entsteht ein Projekt aus Eingeninitiative engagierter Tüftlerinnen und Werker, zum Beispiel im TüLab in Örlikon. Leider dürfen dort nur Kinder tüfteln… Oder die Werkstatt in Winterthur. Hier dürfen auch Erwachsene.

Mit der Swiss Mechatronic Art Society gibt es eine Schweizer Makerszene, in deren Workshops und Labs man das elektronische Basteln und Hacken lernen und üben kann. Probier mal, es macht Spass!


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