KINDER, SOZIALE MEDIEN UND DATENSCHUTZ

Rubrik: Kinder, Internet, Datenschutz

Soziale Medien können Wissenschaft vermittelnde Anlässe perfekt ergänzen. Können – denn ganz einfach ist ihr Einsatz nicht. Kinderdaten sind besonders sensibel und müssen geschützt werden …

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SOZIALE MEDIEN ERWEITERN INFORMELLE LERNUMGEBUNGEN

Der Lerneffekt in Museen und Science Zentren ist umstritten. Findet Lernen überhaupt statt, wenn jemand von Exponat zu Exponat browst und sich höchstens wenige Minuten mit einem Thema beschäftigt? Auf Museen ausgerichtete Lerntheorien wie das ‚Contextual Model of Learning’ von Falk und Dierking (2000) betonen die Bedeutung der Vernetzung von Lernerfahrungen mit persönlichen Interessen und Erfahrungen.

Soziale Medien haben das Potential, genau diese Verknüpfungen zu gewährleisten.

  • Das Lernthema ist über den Museumsbesuch hinaus zugänglich, Vertiefung ist möglich.
  • Die Teilnehmenden können motiviert und persönlich angesprochen werden.
  • Soziale Interaktionen werden gefördert.

Schon während einer Veranstaltung können Soziale Medien eine zusätzliche Reflektionsebene bringen. Beim Versuch mit einer online Plattform am Zukunftstag der Fachhochschule Nordwestschweiz beobachteten wir, dass das Veröffentlichen und Teilen von eigenen Erlebnissen die Jugendlichen dazu brachte, über das Erlebte nachzudenken, es zu gewichten und einzuordnen. Was mache ich hier eigentlich, was soll ich veröffentlichen, wie machen es die anderen?

Also nichts wie los mit Social Media?

Verlockend wäre es. Und den Kindern macht es Spass, Fotos von sich selbst und den Kolleg/innen hochzuladen und zu kommentieren. Eine Einführung in die Verhaltensregeln im Internet ist unbedingt notwendig, um Blosstellungen, auch von sich selbst, zu vermeiden. Aber das reicht nicht.

KINDER-DATENSCHUTZ IST EINE HERAUSFORDERUNG

Der heikelste Punkt ist der Datenschutz. Und davon wiederum die Personenfotos. Es gibt ein juristisches ‚Recht am eigenen Bild’. Das heisst, man muss die Zustimmung der Personen einholen, deren Fotos veröffentlicht werden sollen – bei Kindern die Zustimmung der Eltern. Während das vor wenigen Jahren kein Problem war, geben heute nicht mehr alle Eltern die Bilder frei, wie die Diskussion im Forum des Magazins Wir Eltern zeigt. Denn es geht nicht mehr nur um ein Bild in der Lokalzeitung, sondern um den globalen Zugang zum Bild des Kindes, womöglich über Jahrzehnte hinaus. Die Eltern sind zu Recht vorsichtig.

Das bringt uns in eine pädagogisch unangenehme Situation. Die einen dürfen fotografiert werden, die anderen nicht. Den Betreuer/innen, welche die Kinder an einem solchen Anlass meist nicht kennen, darf kein Fehler unterlaufen. Das Ganze wird ein ‚Morx’!

SOLLEN WIR AUF PERSONENFOTOS VERZICHTEN?

Das wäre schade. Für die Kinder sind es die attraktivsten Beiträge und – Hand aufs Herz – für mich als Wissenschaftsvermittlerin auch. Denn diese Fotos zeigen, dass sich die Kinder engagieren und Spass haben, all das, worauf es mir eigentlich ankommt und worauf ich stolz bin, wenn es gelingt.

Sollen wir die Datenschutzbedenken einfach als übertrieben abtun? Das wäre unverantwortlich, denn sind die Bilder einmal online, haben wir keine Kontrolle mehr darüber, was damit geschieht. Sie können nicht nur gestohlen sondern auch verändert werden. Als Veranstalterinnen mit Kindern sollten wir besonders vorsichtig sein und die Verantwortung nicht einfach den Eltern überlassen. Diese sind unterschiedlich informiert oder fühlen sich vielleicht unter Druck. Wir müssen eigene Richtlinien und Lösungen erarbeiten, die für alle akzeptierbar sind und die Kinder gleich behandeln.

Am einfachsten ist es daher tatsächlich, auf Personenfotos zu verzichten. Im Zweifelsfall sollten wir das tun. Ausser wir finden einen Umgang mit Bildern, der für die Eltern akzeptabel ist.

DER SORGFÄLTIGE UMGANG MIT PERSONENFOTOS BRINGT VIEL

Für den bewussten Umgang mit Personenbildern im Internet gibt es mehrere Möglichkeiten. Im Blog Schule Social Media empfiehlt Philipp Wampfler zusätzlich zum Einverständnis der Eltern:

  • Personenbilder sehr sorgfältig auswählen und sparsam einsetzen
  • Löschmöglichkeiten klar angeben
  • Namen und Bilder nicht miteinander verbinden, auch im Dateinamen nicht
  • Temporäre Galerien anlegen und sie nach zwei bis drei Monaten löschen
  • Jüngere und verletzliche Kinder besonders schützen, ältere Kinder einbeziehen

Auf kinderschutz.de zeigt Norbert Weinhold, wie man technisch das Risiko des Bildmissbrauchs verringern kann. So sind kleinformatige und schwarz-weisse Bilder weniger Missbrauch gefährdet. Passwortgeschützte Fotogalerien sind maximal für Tausende statt Milliarden von InternetanwenderInnen einsehbar.

Bei vielen Projekten ist es nicht notwendig, die Plattform für Suchmaschinen zu optimieren. Die Bilder werden so von viel weniger Internet-Surfern gefunden.

Bei einem sorgfältigen Umgang mit Personenfotos geht es also darum, das Missbrauchsrisiko auf ein vernünftiges Mass einzuschränken. Das setzt ein hohes Mass an Bewusstsein und Sensibilität der Beteiligten voraus und genügend Zeit für die sorgfältige Planung und Umsetzung eines solchen Projektes.

EINE KULTUR DES UMGANGS MIT SOZIALEN MEDIEN AUFBAUEN

Zambo, die online Plattform für Kinder des Schweizer Radios und Fernsehens SRF, ist voller Figuren und Gesichter, darunter auch Kinderfotos. Das wirkt sehr lebendig. Bei genauem Hinsehen merkt man, dass nur vereinzelt Fotos von Zambo-Benutzer/innen dabei sind. Bei Zambo müssen die Kinder zuerst Mitglied der Community werden. Dazu brauchen sie die Einwilligung der Eltern und deren Einverständnis mit den Datenschutz-Richtlinien von Zambo. Eine echte online Community (und nicht einfach eine simple Plattform) hat den Vorteil, dass darin eine Kultur des Umgangs mit sozialen Medien aufgebaut werden kann, indem ein Umgangsstil gepflegt und ab und zu auf ungeeignetes Verhalten hingewiesen wird.

Schreenshot Zambo 29.1.2013


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